Radbruch - Einemhof
                           Radbruch - Einemhof                                               

Radbruch in den letzten Kriegstagen

Nach den Erlebnissen eines Radbrucher Zeitzeugen, der nicht genannt werden möchte:

Die Flächen um die beiden  heutigen Aussiedlerhöfe an der Straße Radbruch-Rottorf waren bis nach Kriegsende außer weniger kleiner Freiflächen Staatsforst und durchgehend bewaldet. Zu Beginn der Besatzungszeit 1945 durch die Engländer wurde der Wald abgeholzt (siehe dazu unten "Forstkompanie").

 

Nördlich der Bahnstrecke und östlich der Straße Radbruch-Rottorf wohnte ein Forstarbeiter mit einem landwirtschaftlichen Nebenbetrieb. Das Wohngebäude steht heute noch. 

                                       ehemaliges Wohnhaus des Forstabeiters

 

Beim Vorrücken der britischen Armee war der Forstarbeiter mit seinem  neunjährigen Sohn gerade dabei, Mist vom Fuhrwerk auf das Feld abzuladen. Auf dem Rückweg hörten sie eine Explosion und sahen, wie deutsche Soldaten  ihre Pferde ausspannten und laufen ließen. Später erfuhren sie, daß die Brücke über die Roddau in Rottorf Ortsausgang Richtung Wittorf von deutschen Soldaten gesprengt wurde, als ein englischer Panzer darauf stand.

 

Dass zweite Kriegserlebnis am nächsten Tag hatte der Zeitzeuge, als die Schüler in der Dorfschule nach einem Sirenenalarm nach Hause geschickt wurden. Auf dem Nachhauseweg überraschte ihn ein Luftangriff der Engländer auf einen in ca. 400m weiter entfernt gelegenen deutschen Militärzug, der im Wald am Wittorfer Weg stand. Er hatte furchtbare Angst, da die Flugzeuge dicht über ihn flogen und er  getroffen werden könnte. Zumal eine Grante auf dem Grundstück Schulze im Peerort einschlug, ohne größeren Schaden zu verursachen.

 

Die Familie des Zeitzeugen fühlte sich nicht mehr sicher und zog auf das Grundstück Sohl im Osten Radbruchs in ein bunkerähnliches Gebäude. Der Vater dachte, die Engländer rücken von Westen auf Radbruch vor. Sie hielten sich dort bis ca. 22.00 Uhr auf. Als sie keine Leuchtkugeln mehr in Richtung Rottorf und Vögels  sahen und Ruhe eingekehrt war, gingen sie davon aus, daß die Kampfhandlungen für diesen Tag beendet waren. Die Familie kehrte in ihr Wohnhaus zurück und versorgte das Vieh. 

 

Monate vorher wurde der Zeitzeuge von seinem Vater zur einer  Absturzstelle eines Fallspringspringers im Wald in der Nähe der Bahngleise Bhf Radbruch-Bhf Winsen -noch vor dem Borsteler Weg- mitgenommen. Ob es sich um einen deutschen oder englischen Fallschirmspringer handelte, war für den Zeitzeugen nicht zu erkennen. Am nächsten Tag wurde die teilweise verweste Leiche von einem damals üblichen Leichenwagen abgeholt.

 

 

Den weiteren Kriegsverlauf siehe: "Die Besetzung Radbruchs durch die Engländer."

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© Ulrich Henke